Green­wa­shing: Abmahn­ge­fah­ren für Ener­gie­an­bie­ter ab 27.09.2026: Prü­fen Sie Ihre Web­sites jetzt

Mit dem Drit­ten Gesetz zur Ände­rung des UWG, das gemäß Arti­kel 2 Absatz 1 zum 27.09.2026 in Kraft tritt, wer­den die Vor­ga­ben der Emp­Co-Richt­li­nie der EU umge­setzt. Ziel ist ein stär­ke­rer Schutz von Ver­brau­che­rin­nen und Ver­brau­chern vor dem soge­nann­ten Green­wa­shing als irre­füh­ren­de Wer­bung. Für Ener­gie­an­bie­ter wird das beson­ders rele­vant. Vie­le Web­sites wer­ben mit Begrif­fen wie kli­ma­freund­lich“, nach­hal­tig“, grün“, CO₂-neu­tral“, kli­ma­neu­tral“ oder mit Hin­wei­sen auf Umwelt- und Kli­ma­schutz. Sol­che Aus­sa­gen sind künf­tig nur noch unter deut­lich stren­ge­ren Vor­aus­set­zun­gen zulässig.

Beson­ders kri­tisch sind künf­tig: (1) pau­scha­le Umwelt­aus­sa­gen ohne kla­re Erläu­te­rung und Nach­weis, (2) Kli­ma­neu­tra­li­täts­wer­bung, ins­be­son­de­re bei blo­ßer Kom­pen­sa­ti­on, (3) Nach­hal­tig­keits­sie­gel ohne aner­kann­tes Zer­ti­fi­zie­rungs­sys­tem, (4) Zukunfts­ver­spre­chen wie kli­ma­neu­tral bis 2030“ ohne belast­ba­ren, öffent­lich zugäng­li­chen Umset­zungs­plan, (5) Aus­sa­gen, die den Ein­druck erwe­cken, das gesam­te Unter­neh­men sei nach­hal­tig, obwohl nur ein­zel­ne Pro­duk­te oder Pro­jek­te gemeint sind.

Ab dem 27.09.2026 kön­nen unprä­zi­se oder nicht beleg­ba­re Umwelt- oder Nach­hal­tig­keits­hin­wei­se auf Web­sites, in Tari­fen, Bro­schü­ren und Social Media ein Abmahn­ri­si­ko darstellen.

Unser Pra­xis­tipp:

Prü­fen Sie Ihre Ver­öf­fent­li­chun­gen und Mate­ria­li­en auf der­ar­ti­ge Hin­wei­se. Wenn es Zwei­fel an der nach­weis­ba­ren Belast­bar­keit der Hin­wei­se gibt, soll­ten Sie Anpas­sun­gen vor­neh­men. Für eine Erst­prü­fung kann es sinn­voll sein, dass Sie bei­spiels­weis den Link zu Ihrer Inter­net­sei­te mit den dor­ti­gen umwelt- und nach­hal­tig­keits­be­zo­ge­nen Aus­sa­gen ein­mal in ein KI-Pro­gramm ein­ge­ben und fol­gen­de Fra­ge stellen: 

Bit­te prü­fe, ob sich auf den über [hier Ihren Link ein­fü­gen] erreich­ba­ren Inter­net­sei­ten Umwelt‑, Kli­ma- oder Nach­hal­tig­keits­aus­sa­gen befin­den, die nach den neu­en UWG-Vor­ga­ben zur Umset­zung der Emp­Co-Richt­li­nie ab dem 27.09.2026 mög­li­cher­wei­se als irre­füh­rend oder unzu­läs­sig bean­stan­det und abge­mahnt wer­den könnten?“

Ger­ne ste­hen wir Ihnen für Fra­gen, Prü­fun­gen und Bewer­tun­gen sowie die Über­prü­fung etwa­iger KI-Ant­wor­ten auf Ihre Fra­gen zur Verfügung. 

Online-Semi­nar-Ankün­di­gung:

Zudem ver­an­stal­ten wir am 16. Juli 2026 von 10.00 — 12.30 Uhr ein Online-Seminar:

Green Mar­ke­ting oder Green­wa­shing?” Rechts­si­che­re Umwelt­wer­bung nach der UWG-Novelle.

Das Online-Semi­nar beschäf­tigt sich mit den neu­en Anfor­de­run­gen an Umwelt­wer­bung, Kli­ma­ver­spre­chen und Nach­hal­tig­keits­sie­gel. Hier­zu laden wir Sie ger­ne geson­dert ein.

Ansprech­part­ner: Jörg B. Soe­te­beer; Dr. Mar­tin Riedel

Kein Alt-Tag

NIS2-Regis­trie­rungs­frist vom BSI fak­tisch bis 31. Juli 2026 verlängert

Gemäß § 30 Abs. 1 BSIG muss­ten sich alle Unter­neh­men, die zur Umset­zung der NIS-2-Vor­ga­ben ver­pflich­tet sind, bis zum 06.03.2026 über das Por­tal des Bun­des­am­tes für Sicher­heit in der Infor­ma­ti­ons­tech­nik (BSI) regis­trie­ren lassen. 

In einem Schrei­ben an die Wirt­schafts­ver­bän­de vom 12.06.2026 hat das BSI nun mit­ge­teilt, dass eine Regis­trie­rung noch bis zum 31.07.2026 nach­ge­holt wer­den kann. Wört­lich heißt es: Da die Regis­trie­run­gen über­fäl­lig sind, gehen wir davon aus, dass alle bis­her noch nicht regis­trier­ten Ein­rich­tun­gen die Regis­trie­rung bis zum 31. Juli 2026 erfolg­reich abschlie­ßen.“ Das BSI erkennt in dem Schrei­ben an, dass es zahl­rei­che unge­klär­te Aus­le­gungs- und Anwen­dungs­fra­gen gibt, unter wel­chen Vor­aus­set­zun­gen ein Unter­neh­men regis­trie­rungs- und umset­zungs­pflich­tig ist. 

Mit dem Hin­weis gehen wir davon aus“, signa­li­siert das BSI aller­dings auch, dass künf­tig mit einer här­te­ren Gang­art zu rech­nen ist. Dies, obgleich die Aus­le­gungs- und Anwen­dungs­fra­gen sowie auch die Män­gel im Geset­zes­wort­laut fort­be­stehen. Hin­ge­wie­sen sei auf die Geset­zes­ver­wei­se bei der Auf­zäh­lung der Ein­rich­tungs­ar­ten in der Anla­ge 1 zum BSIG, die über­wie­gend unzu­tref­fend sind. 

Unklar ist auch die Abgren­zung der Zustän­dig­kei­ten. Wäh­rend der Betrieb von Ener­gie­net­zen in den Zustän­dig­keits­be­reich der Bun­des­netz­agen­tur fällt und sich nur“ auf die Umset­zungs­pflich­ten des Netz­be­rei­ches inner­halb eines Unter­neh­mens bezieht, liegt die gesetz­li­che Zustän­dig­keit für Ener­gie­lie­fe­run­gen bei dem BSI und bezieht sich auf das Gesamt­un­ter­neh­men. Die­se stren­ge­re, da unter­neh­mens­wei­te Ver­pflich­tung der Strom- und Gas­lie­fe­ran­ten im Ver­gleich zu Strom- und Gas­netz­be­trei­bern, deren Unter­neh­men nur teil­ver­pflich­tet sind, ist abwe­gig und dürf­te ein wei­te­res gesetz­li­ches Ver­se­hen sein. Dem Sinn und Zweck der NIS-Umset­zung kann es nur und muss es ent­spre­chen, dass die Pflich­ten der Netz­be­trei­ber stren­ger sind als die der Strom- und Gas­lie­fe­ran­ten. Cyber-Angrif­fe auf den Netz­be­reich kön­nen tech­nisch und tat­säch­lich gra­vie­ren­de Aus­wir­kun­gen haben. Bei Cyber-Angrif­fen auf Strom- und Gas­lie­fe­run­gen, die kauf­män­nisch-bilan­zi­ell abge­wi­ckelt wer­den, stellt sich bereits die ver­fas­sungs­recht­li­che Grund­satz­fra­ge, ob hier über­haupt eine Adres­sa­ten­stel­lung ver­hält­nis­mä­ßig ist, da der Strom phy­si­ka­lisch über die Net­ze auch fließt, wenn irgend­wel­che bilan­zi­el­le Buchungs­vor­gän­ge vor­über­ge­hend gestört werden. 

Den in bun­des­deut­sches Recht umge­setz­ten NIS-2-Vor­ga­ben ist anzu­mer­ken, dass sie wegen des Ver­strei­chens der EU-Umset­zungs­fris­ten aus Zeit­grün­den sehr ober­fläch­lich und feh­ler­haft gestal­tet wor­den sind. Dies gilt bei­spiels­wei­se auch für die soge­nann­te Ver­nach­läs­sig­bar­keits­re­ge­lung des § 28 Abs. 4 BSIG. Der Gesetz­ge­ber hat hier im Rah­men der Ver­hält­nis­mä­ßig­keit eine sinn­vol­le Rege­lung geschaf­fen; aller­dings ist sie so unbe­stimmt for­mu­liert, dass eine belast­ba­re Rechts­si­cher­heit sicher­lich erst durch lang­wie­ri­ge Gerichts­ver­fah­ren geschaf­fen wird. Leid­tra­gen­de der gesetz­li­chen Unzu­läng­lich­kei­ten sind neben den ver­pflich­te­ten Unter­neh­men auch die sich sehr bemü­hen­den Mit­ar­bei­ter des BSI und auch der Bun­des­netz­agen­tur, die sehr kon­struk­tiv den Umset­zungs­pro­zess beglei­ten und indi­vi­du­el­le Fra­gen ziel­füh­rend beant­wor­ten. Auch die im BSI-Por­tal ver­öf­fent­lich­ten FAQ sind hilf­reich, auch, wenn vie­le Anwen­dungs- und Aus­le­gungs­fra­gen zwangs­läu­fig unbe­ant­wor­tet blei­ben und eini­gen Ant­wor­ten auch inhalt­lich zwei­fel­haft sind.

Unser Pra­xis­tipp:

Soweit Ihr Unter­neh­men oder die Unter­neh­men Ihres Unter­neh­mens­ver­bun­des ent­spre­chend der NIS-2-Umset­zungs­vor­ga­ben im BSIG, EnWG und TKG ver­pflich­tet sein könn­ten, soll­ten Sie bei Unklar­hei­ten unmit­tel­bar Kon­takt mit dem BSI auf­neh­men und um eine Klä­rung Ihrer Fra­gen bit­ten. Wir haben bis­her gute Erfah­run­gen mit direk­ten Kom­mu­ni­ka­ti­ons­pro­zes­sen machen kön­nen und beglei­ten Sie bei Bedarf gerne. 

Ansprechparter:innen: Dr. Mar­tin Rie­del, Peter Rit­se­ma, LL.M.

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Spei­cher — Indus­trie­strom­preis — KfW-Förderung

Inves­ti­tio­nen in Spei­cher sind der­zeit eines der zen­tra­len The­men in der Ener­gie­wirt­schaft, da sie für Fle­xi­bi­li­sie­rung und Sek­to­ren­kopp­lung stehen.

Spei­cher wer­den im AgNes-Ver­fah­ren der Bun­des­netz­agen­tur geför­dert. Spei­cher, die bis 04. August 2029 in Betrieb genom­men wer­den, sind dem­nach für 20 Jah­re von Netz­ent­gel­ten befreit (Bun­des­netz­agen­tur Infor­ma­ti­ons­ter­min am 27.05.2026 zum Zwi­schen­stand der Über­le­gun­gen, GBK-25 – 011#3).

Der Netz­an­schluss­an­spruch für Spei­cher soll durch den Ent­wurf eines Geset­zes zur Ände­rung des Ener­gie­wirt­schafts­rechts zur Syn­chro­ni­sie­rung des Anla­gen­zu­baus mit dem Netz­aus­bau sowie zur Ver­bes­se­rung des Netz­an­schluss­ver­fah­rens“ („Netz­pa­ket“) gestärkt wer­den, indem der Netz­an­schluss unter Vor­aus­set­zung einer im FCA fest­ge­schrie­be­nen gleich­blei­ben­den Wirk­leis­tungs­be­gren­zung nicht mehr mit Ver­weis auf Kapa­zi­täts­eng­päs­se abge­lehnt wer­den darf (§ 17 Abs. 2a Ref‑E mit Stand vom 17.04.2026). Dies stärkt die gebo­te­ne Über­bau­ung von Netz­ver­knüp­fungs­punk­ten und effi­zi­en­te Nut­zung von Netzkapazität.

Zwei wei­te­re Instru­men­te för­dern Spei­cher indi­rekt. Die Richt­li­nie über die Gewäh­rung von Leis­tun­gen zur finan­zi­el­len Kom­pen­sa­ti­on an strom- und han­dels­in­ten­si­ve Unter­neh­men zur Strom­preis­ent­las­tung (Indus­trie­strom­preis) für die Abrech­nungs­jah­re 2026 bis 2028“ des BMWE vom 27. April 2026 sieht für Unter­neh­men, die begüns­tig­ten Wirt­schafts­zwei­gen ange­hö­ren, ab 2026 (ers­tes Antrags­jahr ist 2027) eine Ver­güns­ti­gung für deren Strom­kos­ten vor (sie­he BAFA — Indus­trie­strom­preis).

Antrag­stel­len­de Unter­neh­men müs­sen sich bei Bean­tra­gung des Indus­trie­strom­prei­ses“ ver­pflich­ten, 50 % des gewähr­ten För­der­vo­lu­mens in Maß­nah­men zu inves­tie­ren, die EE-Aus­bau, Ener­gie­ef­fi­zi­enz, Dekar­bo­ni­sie­rung, Infra­struk­tur oder Fle­xi­bi­li­sie­rung die­nen. Unter ande­rem sind Inves­ti­tio­nen in Spei­cher, auch zusam­men mit Inves­ti­tio­nen in EE-Anla­gen oder Infra­struk­tur, sol­che Maß­nah­men. Inves­ti­tio­nen in nach­fra­ge­sei­ti­ge Fle­xi­bi­li­tät wer­den zusätz­lich mit einem Fle­xi­bi­li­täts­bo­nus in Höhe von 10 % der gewähr­ten Ver­güns­ti­gung belohnt, wenn 80 % der Ver­güns­ti­gungs­be­tra­ges in Fle­xi­bi­li­tät und 75 % des Bonus in Dekar­bo­ni­sie­rung flie­ßen. Die Maß­nah­men müs­sen nicht vom Antrag­stel­ler selbst, son­dern kön­nen auch durch Drit­te als Koope­ra­ti­ons­part­ner, Pro­jekt­ent­wick­ler, Dienst­leis­ter umge­setzt werden.

Zusätz­lich inter­es­sant wer­den die Instru­men­te durch ein KfW För­der­pro­gramm Kre­dit 570 (Erneu­er­ba­re Ener­gien Plus), das am 18. Juni 2026 in Kraft trat (Erneu­er­ba­re Ener­gien – Plus (570) | KfW). Durch zins­ver­güns­tig­te Dar­le­hen för­dert die KfW nun­mehr Inves­ti­tio­nen in EE-Direkt­ver­sor­gung und Speicher.

Unser Pra­xis­tipp:

Durch die ins Leben geru­fe­nen oder geplan­ten Maß­nah­men zur För­de­rung von Sek­to­ren­kopp­lung und (Nachfrage-)Flexibilität und der sin­ken­den För­der­sät­ze des EEG, lohnt sich für vie­le Akteu­re, Ener­gie­ver­sor­ger Pro­jekt­ent­wick­ler, Inves­to­ren, Gewer­be – und Indus­trie­un­ter­neh­men, der Blick dar­auf, ob sich Chan­cen für EE- und Spei­cher-Kom­bi-Pro­jek­te jen­seits der klas­si­schen EEG-För­de­rung zei­gen. Hier­bei kann auch eine gemein­schaft­li­che Umset­zung ent­spre­chen­der Pro­jek­te im Sin­ne effi­zi­en­ten Ein­sat­zes von know-how, Res­sour­cen und Kapi­tal sinn­voll sein.

Ansprechpartner:innen: Dr. Heid­run Schal­le, Hei­ko Lange

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Aktu­el­les zur Kun­den­an­la­ge: Reform­an­sät­ze in Brüs­sel und Berlin

Der Kun­den­an­la­gen­sta­tus ist für die dezen­tra­le Ener­gie­ver­sor­gung von Indus­trie- und Gewer­be­un­ter­neh­men, Woh­nungs­un­ter­neh­men, Kli­nik­un­ter­neh­men, Bun­des- und Lan­des­ein­rich­tun­gen, Mes­se­ge­sell­schaf­ten und allen Are­al­ver­sor­gern ein zen­tra­les Instru­ment. Ohne einen auch künf­tig wir­ken­den gesetz­li­chen Schutz des Kun­den­an­la­gen­sta­tus wer­den die Ener­gie­kos­ten für die betrof­fe­nen Unter­neh­men und Bran­chen dras­tisch und unver­hält­nis­mä­ßig anstei­gen und vie­le Kon­zep­te wirt­schaft­lich schwie­ri­ger umsetz­bar sein. Als Stich­wor­te sei­en genannt: dezen­tra­le Ener­gie­ver­sor­gung; Con­trac­ting; PV-Anla­gen und Mie­ter­strom, gemein­schaft­li­che Gebäu­de­ver­sor­gung, Ener­gy-Sha­ring. Auch für die Netz­be­trei­ber der all­ge­mei­nen Ver­sor­gung wür­de der Weg­fall des Kun­den­an­la­ge­sta­tus zu erheb­li­chen Ver­än­de­run­gen mit zusätz­li­chen Kos­ten füh­ren. Als Stich­wor­te sei­en hier genannt: Ent­ste­hung nach­ge­la­ger­ter“ Net­ze mit ent­spre­chen­der Ver­la­ge­rung und Auf­tei­lung der Auf­ga­ben im Netz­an­schluss­be­reich, im Mess- und Zäh­ler­we­sen, im Grund­ver­sor­ger­be­reich und im Netz­ent­gelt­be­reich mit Dop­pel­struk­tu­ren im Mit­tel- und Nie­der­span­nungs­be­reich. Leid­tra­gen­de wären auch die Bun­des­netz­agen­tur und die Lan­de­re­gu­lie­rungs­be­hör­den, da sie dann nicht mehr bis zu 1000 Netz­be­trei­ber regu­lie­ren und über­wa­chen müs­sen, son­dern künf­tig grob geschätzt über 100.000 Netz­be­trei­ber“. Es wäre dann gege­be­nen­falls jede Gebäu­de­ver­sor­gung auf Nie­der­span­nung über zwei Gebäu­de hin­weg als Netz ein­zu­stu­fen. Zugleich wür­de die Mög­lich­keit zur Errei­chung der ener­gie- und kli­ma­po­li­ti­schen Zie­le der EU wei­ter geschwächt, wenn der Aus­bau gebäu­de­na­her Pho­to­vol­ta­ik, die gemein­schaft­li­che Nut­zung erneu­er­ba­rer Ener­gien und die Dekar­bo­ni­sie­rung des Gebäu­de­sek­tors nur noch unter erschwer­ten und kos­ten­träch­ti­gen Maß­nah­men umsetz­bar wäre.

Aus­lö­ser des aktu­el­len Reform­be­darfs ist die Recht­spre­chung von EuGH (Az. C‑293/23, 28.11.2024) und BGH (Az. EnVR 83/20, 13.05.2025). Nach der euro­päi­schen Defi­ni­ti­on ist ein Ver­tei­ler­netz ein Netz, das der Wei­ter­lei­tung von Elek­tri­zi­tät dient, die zum Ver­kauf“ an Groß­händ­ler oder End­kun­den bestimmt ist. Der vom BGH aus­drück­lich genann­te Fall nicht zum Ver­kauf bestimmt“, befreit im Grund­satz nur noch die ech­te Eigen­ver­sor­gung einer Per­son im räum­li­chen Zusam­men­hang von den netz­sei­ti­gen Regu­lie­rungs­vor­ga­ben. Der Gesetz­ge­ber hat mit § 118 Abs. 7 EnWG eine Bestands­schutz­re­ge­lung für Kun­den­an­la­gen bis zum 31.12.2028 geschaf­fen. Bis dahin bedarf es einer Neuregelung.

Akti­vi­tä­ten zur Neu­ge­stal­tung, Lösungsansätze

Der Deut­sche Bun­des­tag hat die Bun­des­re­gie­rung auf­ge­for­dert, sich vor Ablauf der natio­na­len Über­gangs­re­ge­lung im EnWG auf EU-Ebe­ne für eine Ände­rung des Uni­ons­rechts ein­zu­set­zen; BT-Druck­sa­che 21/2793, Sei­te 189 f. Ziel ist es, den gesetz­ge­be­ri­schen Spiel­raum wie­der zu erwei­tern und rechts­si­che­re dezen­tra­le Ener­gie­ver­sor­gungs­kon­stel­la­tio­nen zu ermög­li­chen. Ansatz­punkt ist die Elek­tri­zi­täts­bin­nen­markt­richt­li­nie (EU) 2019/944, die ange­passt oder ergänzt wer­den soll.

Aktu­ell gibt es unter­schied­li­che For­mu­lie­rungs­vor­schlä­ge zur Neu­ge­stal­tung einer Aus­nah­me vom regu­lier­ten Netz­be­trieb. Unter ande­rem ein Vor­schlag von deut­schen Abge­ord­ne­ten des EU-Par­la­ments (AMEND­MENTS 524 — 770, Draft Report; dort Sei­te 139), der frei über­setzt wie folgt lautet:

(5) Die Mit­glied­staa­ten kön­nen vor­se­hen, dass Ver­tei­lungs­net­ze, die auf einen bestimm­ten Industrie‑, Gewerbe‑, Gemein­schafts- oder Wohn­be­reich beschränkt sind (geschlos­se­ne Ver­tei­lungs­net­ze), für die Zwe­cke die­ser Richt­li­nie nicht als Ver­tei­lungs­net­ze gel­ten, sofern die nach Arti­kel 4 vor­ge­se­he­nen Rech­te gewähr­leis­tet sind und min­des­tens eine der fol­gen­den Bedin­gun­gen erfüllt ist:

a) Das Sys­tem wird nicht­dis­kri­mi­nie­rend allen Kun­den kos­ten­los zur Ver­fü­gung gestellt und der Strom wird haupt­säch­lich an den Betrei­ber des Sys­tems oder deren ver­bun­de­ne Unter­neh­men ver­teilt und nur ein unter­ge­ord­ne­ter Pro­zent­satz des Stroms wird an ande­re Kun­den, ein­schließ­lich Haus­hal­te, ver­teilt, oder 

b) Das Sys­tem wird nicht­dis­kri­mi­nie­rend allen Kun­den kos­ten­los zur Ver­fü­gung gestellt und nur eine begrenz­te Men­ge an Ener­gie wird jähr­lich an eine begrenz­te Anzahl von Kun­den ver­teilt, einschließlich.“

Wei­te­re Vor­schlä­ge wer­den diskutiert. 

Unser Pra­xis­tipp:

Bis auf Wei­te­res soll­te die Inan­spruch­nah­me des Kun­den­an­la­gen­sta­tus für Bestands­an­la­gen fort­ge­setzt wer­den. Auch für Neu­an­la­gen kön­nen unse­res Erach­tens im Rah­men der Ver­hält­nis­mä­ßig­keit die Aus­nah­me­re­ge­lun­gen der § 3 Nr. 65 EnWG (Kun­den­an­la­ge) und § 3 Nr. 64 EnWG (Kun­den­an­la­ge zur betrieb­li­chen Eigen­ver­sor­gung) mit Ein­schrän­kun­gen in Anspruch genom­men wer­den; wobei hier­zu eine Prü­fung im Ein­zel­fall erfor­der­lich ist. Auf poli­ti­scher Ebe­ne soll­ten par­tei­über­grei­fend die Initia­ti­ven und For­mu­lie­rungs­vor­schlä­ge der Ver­bän­de unter­stützt wer­den, wobei eine ganz­heit­li­che und bran­chen­über­gei­fen­de Lösung anzu­stre­ben ist, die auf einen mög­lichst brei­ten Kon­sens stößt.

Ger­ne ste­hen wir Ihnen für Fra­gen, Prü­fun­gen und Bewer­tun­gen zur Absi­che­rung Ihres Kun­den­an­la­ge­sta­tus zur Ver­fü­gung und infor­mie­ren Sie, wenn Sie das wün­schen, jeweils über die aktu­el­len Entwicklungen.

Ansprechpartner:innen: Dr. Heid­run Schal­le, Dr. Mar­tin Riedel

Kein Alt-Tag

Ein­schlä­gi­ge Gesetz­ge­bungs­ma­te­ria­li­en, Ver­öf­fent­li­chun­gen sowie wei­te­re rele­van­te Dokumente

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